Im Restaurant. Ich habe mir Garnelen bestellt, die ich nun genüsslich verzehre.

Mir gegenüber sitzt meine Bekannte.

Plötzlich schaut sie mich angewidert an und sagt: “Also wie kann man sowas nur essen. Das sieht ja widerlich aus. Wie Würmer. Also ich würde sowas nicht essen. Da müsste ich mich ja übergeben. Nein, wie das aussieht….”

“Ja klar, und das sagt mir jetzt Eine, die sich die ganze Zeit mit Mousse au Chocolat vollstopft, ne?”

Es gibt da eine Frau, eine sehr internet-präsente Frau. Sie gibt auch Seminare.
Für solch minderbemittelte Menschen wie mich, beispielsweise.
Also für alle die, die nicht wissen, daß sie fromm und heilig sein müssen um Gott finden zu können.

Mir ist da in den Ausführungen dieser Frau etwas aufgefallen. Das Großgedruckte, das eigentlich wie ein Kleingedrucktes funktioniert. Man überliest es leicht. Als ob man es für eine Zierborte halten würde. Obwohl es groß und breit geschrieben steht.

Sie schreibt, Gott spricht zu ihr. Oder, sie unterhält sich mit Gott. Oder der mit ihr.
Nein, nein, ich werde einen Dreck tun und mich über den Wahrheitsgehalt auslassen.
Ich WEISS NICHT, ob das wahr ist.
Und es ist eigentlich auch egal.
Achtung: jetzt kommt die Zierborte:

Sie schreibt, sie hätte eine große Entwicklung durchgemacht (ihrer Meinung nach wohl zum Besseren).
Sie schreibt, ihre Verbindung zu Gott sei viel enger geworden, denn sie wisse oft schon, wenn er einen Satz anfinge, was er sagen wolle und beantworte das dann schon mal.

Frau, was für eine dumme Kuh bist DU denn?

Gott spricht zu dir und du lässt ihn nicht ausreden?

Da tauchen plötzlich aus dem Nichts Pflanzen auf. Die einen hat man vorher nur nicht gesehen, die anderen waren vorher tatsächlich nicht da und wachsen dann einfach so mitten zwischen anderen. Wenn man sich dann informiert (in mehrere Richtungen), stellt man fest, daß es Pflanzen sind, deren Essenzen Menschen in der näheren Umgebung durchaus helfen können.
Man liest Buchtipps zu einer bestimmten Thematik, denkt: brauch ich nicht. Und was passiert? Zwei Tage nacheinander thematisch passende Reklame im Briefkasten. Von verschiedenen Stellen. Und bei genauerem Befassen mit dem Thema stellt man dann fest: oh doch, das ist sehr wohl etwas, was man braucht.
Man tut etwas, wundert sich danach selbst und fragt sich, warum man es getan hat. Nur um nachher festzustellen, daß ein viel tieferer Sinn dahinter steckt, als man es sich hätte ausmalen können.
Man könnte über derlei Dinge eine schier endlose Liste schreiben… lässt es sein und schreibt nur noch das:

Bei mir ist es wohl so, daß es keine Zufälle gibt. Nur verpasste Chancen, wenn ich annehme, es könnte doch Zufall sein…

Hallo, sieh mal, ich habe dir ein warum mitgebracht.

Danke… äh… was soll ich damit?

Naja, mir dafür ein weil geben.

Ich habe aber kein weil für dich.

Wie … du hast kein weil… versteh ich nicht. Jeder hat doch ein weil für den, der ein warum mitbringt.

Ich nicht.

Handzettel mit dezenten Missionierungsversuchen und Wachturm Heftchen nehm ich IMMER an und lese sie gleich.
Nach dem Lesen ist mein Standardsatz: “Das ist jetzt aber nicht euer Ernst, oder?”

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